MSM schädlich – Wie toxisch ist Schwefel für den menschlichen Körper?

Allein die dunkelgelbe Farbe des Schwefels weist daraufhin, dass der Stoff in reiner Form sehr ätzend wirkt. Ausgerechnet ein Mittel aus den USA, das auf eben diesem Stoff basiert, erobert derzeit den Apothekermarkt. MSM wird als wahres Wundermittel gehandelt, soll es doch gegen die unterschiedlichsten Beschwerden helfen.

Wer den Pharmazeutik Herstellern jedoch nicht naiv vertraut, weiß, dass es kein Mittel ohne Nebenwirkungen gibt. Nicht zuletzt im Hinblick auf die geringe Wahrscheinlichkeit des Eintretens in den meisten Fällen, nehmen Patienten mögliche Nebeneffekte in Kauf. Wie hoch ist aber das tatsächliche Risiko von vorübergehenden oder gar bleibenden Schäden bei MSM? Der folgenden Artikel zeigt das Verhältnis von Nutzen und Gefahr für den menschlichen Körper auf.

Ist Schwefel giftig? – Schwefel ist nicht gleich Schwefel

Zum einen ist Schwefel ein chemisches Element mit natürlichem Vorkommen in der Erdkruste sowie im Erdmantel. Weniger bekannt ist, dass der Stoff ebenfalls im menschlichen Körper anzutreffen ist.

MSM stellt wiederum eine ganz besondere Schwefelverbindung dar. In dieser Form ist der Stoff als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich und soll laut Hersteller und Medien zur schnellen Linderung von Schmerzen, Hautproblemen und vielen weiteren Beschwerden beitragen. Im Folgenden werden die Unterschiede dieser drei Schwefelarten genauer vorgestellt.

Gewöhnlicher Schwefel

Als Gas ist Schwefel Bestandteil sämtlicher Schichten der Erdatmosphäre. Demnach atmen wir den Stoff unbemerkt ein. Sichtbar wird Schwefel im gasförmigen Aggregatzustand erst, wenn er aus heißen Quellen aus dem Erdinneren an die Oberfläche vordringt. Am häufigsten ist dieses Phänomen bei Vulkanausbrüchen zu beobachten. Mancherorts existieren aber auch Schwefelquellen, die als Heilbäder genutzt werden.

Menschen nutzen die entzündungshemmenden Eigenschaften des Elements zur äußeren Anwendung, um das Hautbild zu verbessern, Zudem wirkt sich die Wärme positiv auf das Herz-Kreislauf System aus. Schwefel tritt aber auch im festen Aggregatzustand auf. Dann bildet er gelblich angehauchte Kristalle.

Giftige Schwefelverbindungen

Schwefel umgibt den Menschen demnach fast überall. Im reinen Zustand stellt der Stoff keine Gefahr für Lebewesen dar. Geht er allerdings eine Verbindung mit anderen Stoffen ein, entstehen giftige Gase oder Flüssigkeiten:

Schwefelwasserstoff

Schwefelwasserstoff blockiert nach kurzer Zeit den Geruchssinn des Menschen und stellt somit eine besondere Gefahr dar. Weil der Mensch das Gas nicht wahrnimmt, verläuft eine Vergiftung oft unbemerkt. Warnende Symptome sind:

  • starker Hustenreiz
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Atemlähmung bis zum Ersticken

Schwefeldioxid

Schwefeldioxid ist Schwefelwasserstoff sehr ähnlich und ruft vergleichbare Symptome hervor. Das giftige Gas entsteht bei industriellen Verbrennungsprozessen und macht einen Großteil des sauren Regens aus. Ist der Mensch der Schwefelverbindung für längere Zeit ausgesetzt, tritt meistens der Komazustand ein.

Schwefelsäure

Anders als die oben genannten Gase liegt Schwefelsäure in flüssiger Form vor. Sie wird in Batterien und Düngemitteln verwendet und ist wie die Bezeichnung vermuten lässt stark ätzend. Schwefelsäure verursacht starken Husten und Schmerzen im Brustbereich.

Schwefelkohlenstoff

Schwefelkohlenstoff ist geruchsneutral und wird daher oft unbemerkt über die Schleimhäute aufgenommen. Erste Anzeichen einer Vergiftung sind:

  • Hautrötungen
  • innere Unruhe
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Hör- und Sehstörungen
  • Schädigungen des Nervensystems
  • Atemnot bis zum Koma
  • Tod

Schwefel als körpereigener Stoff

Andersherum ist Schwefel überlebenswichtig für den Menschen. Er ist fester Bestandteil aller Zellen eines lebenden Organismus, die das Spurenelement zur Energiegewinnung nutzen. Der Gehalt im Körper beträgt rund 0,25 %. Die meiste Konzentration befindet sich dabei in den Haaren und Nägeln.

Weiterhin reguliert Schwefel den Eiweißstoffwechsel, festigt das Bindegewebe und bindet mit seinen Salzen Giftstoffe, die anschließend über mit dem Harn ausgeschieden werden. Überdies besteht ein Großteil des Knorpelgewebes aus Schwefel. Nur mit einer ausreichenden Versorgung ist ein funktionierender Bewegungsapparat gewährleistet. Grundlegend ist Schwefel für die Bildung der Aminosäuren Cystein und Methionin. Letztere ist verantwortlich für die Selenaufnahme. Da der Körper nicht in der Lage ist, das Spurenelement selbst herzustellen, muss es über die Nahrung aufgenommen werden.

Was ist Schwefelmangel?

Nahezu jedes Lebensmittel enthält Schwefel, wenn auch nur geringfügig. Daher ist ein Schwefelmangel bei einer ausgewogenen Ernährung fast ausgeschlossen. Lediglich Veganer müssen explizit auf eine ausreichende Versorgung achten, da Schwefel vor allem in tierischen Produkten vorkommt.

Auch Menschen, die ihre Nahrungsmittel auf mineralstoffarmen Böden anbauen sind gefährdet, an einer Unterversorgung zu leiden. Wer gesondert auf eine schwefelhaltige Ernährung achten möchte, sollte folgende Lebensmittel verstärkt in den Speiseplan integrieren:

  • Parmesankäse
  • Matjes
  • Krabben
  • Hähnchen
  • Schweinefleisch
  • Erdnüsse
  • Eier
  • Sesam
  • Sojabohnen

Kann man Schwefel überdosieren?

Zu viel des Stoffes kann dem Körper allerdings schaden. Glücklicherweise wird überflüssiger Schwefel auf natürlichem Wege ausgeschieden, ohne Folgeschäden hervorzurufen. Manche Menschen reagieren jedoch schon bei geringfügig erhöhter Konzentration im Blut mit Beschwerden wie:

  • Kopfschemerzen
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Völlegefühl
  • Asthmaanfällen

Schuld ist vor allem der Konsum durch Schwefel haltbar gemachter Lebensmittel. In diesem Fall zerstört der Stoff die Vitamine B1 und Biotin und kann einen Kupfermangel hervorrufen.

MSM

Methylsulfonylmethan (MSM) ist besonders hoch konzentrierter Schwefel (34 %), der als Nahrungsergänzungsmittel, nicht aber als Arzneimittel frei verkäuflich ist. Es handelt sich um eine weiße, geruchsneutrale Masse mit bitterem Geschmack.

Das Eruropäische Arzneibuch sieht nur die äußerliche Anwendung vor. Schon im Mittelalter diente der Stoff der Behandlung von Akne und Skabies, auch als Krätze bekannt. Die orale Anwendung stimuliert zusätzlich die Darmaktivität.

Weiterhin besitzt MSM eine Transportfunktion. Dank der Fähigkeit, Membranen zu durchdringen und auch ins tiefere Gewebe zu gelangen, schleust das Mittel andere Medikamente oder Partikel aus der Umwelt ebenfalls unter die Haut. Diese Funktion wird im Folgenden kritisch betrachtet.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

  • Schwellungen an den Beinen bei alleiniger Einnahme
  • Verdauungsbeschwerden
  • allergische Reaktionen
  • Hautreizungen

Wie sich eine Langzeittherapie auf den Organismus auswirkt, ist noch nicht ausreichend erforscht (1). Fakt ist dagegen, dass Menschen, denen das schwefelabbauenden Enzyme Molydän oder Oxydase fehlen, MSM nicht einnehmen dürfen. Andernfalls treten schwere Schäden des Nervensystems auf.

Studien zur toxischen Wirkung von MSM auf den menschlichen Körper
Laut Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertungen im Jahre 2013 ist eine Dosierung von 50mg pro Tag vollkommen unbedenklich. Zu gleichem Ergebnis kam die amerikanische Food and Drug Administration wenige Jahre zuvor (2007).

Auch die Uniklinik Freiburg schließt sich der Entwarnung an. Anhand von Versuchen an Mäusen und Ratten zeigten die Forscher, dass MSM selbst die siebenfache Menge der empfohlenen Dosierung für den Menschen keine toxische Wirkungen hervorruft.

Quellen

(1) Dimethyl Sulfoxide (DMSO) and Methylsulfonylmethane (MSM) for Osteoarthritis. Stand 02.09.2019

Letzte Aktualisierung am 18.11.2019 / Affiliate Links /